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Fachtag Cyber-Mobbing in der Schule am 07.03.2024 in Gießen

Foto von Morgan Basham auf Unsplash

Überblick über Präventions- und Interventionsstrategien im Landkreis Gießen als Teil des schulischen Schutzkonzeptes

Für Sozialarbeiter*innen an Schulen, Lehrkräfte und Interessierte

In der letzten JIM-Studie 2020 berichten 38 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit dem Thema Cyber-Mobbing konfrontiert worden zu sein, ob als zuschauende, betreibende oder betroffene Person. Das ist eine Steigerung von 7 Prozent zum Vorjahr und eine Steigerung von 15 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010. Wie können wir diesen negativen Trend des Mobbings im Netz unterbrechen?

Kinder und Jugendliche sind überwiegend in der Schule von Mobbing betroffen, da sie die Klassengemeinschaft nicht ohne Weiteres verlassen können. Die Veranstaltung bietet auf der Metaebene einen lokalen Überblick. Ansätze, Programme und Best Practice Projekte zur Prävention und Intervention für Schulen im Landkreis Gießen werden eröffnet. Die Ansprech- und Vernetzungspartner*innen im Landkreis stellen sich vor und eine standortbezogene Systematisierung der Intervention im Rahmen des Schutzkonzeptes gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Schulen wird diskutiert.

Die Fachtagung möchte das Engagement der lokalen Akteur*innen miteinander verbinden, damit wir uns mit vereinten Kräften gegen Cyber-Mobbing stellen.

Termin: 7. März 2024
Uhrzeit: 9.00 bis 17.00 Uhr
Ort: Polizeipräsidium Mittelhessen, Saal Florenz, Ferniestraße 8, 35394 Gießen
Kosten: keine
Referent*innen: siehe Programm
Ansprechpartner*in: Thomas Graf (Tel.: 0641 9390-9391)

Anmeldung: jugendfoerderung(ät)lkgi.de

Programm

9:00 – 9:30 Uhr: „Cyber-Mobbing in Schulen“
Quo Vadis – Zahlen und Fakten zum digitalen Missbrauch personenbezogener
Daten

Referent und Moderation:
Thomas Graf (Präventiver Jugendschutz Landkreis Gießen)

9:30 – 10:30 Uhr: „Gemeinsam Klasse sein“
Ein Programm zur Prävention von Mobbing und Cybermobbing

Referentinnen: Jannis Rieb (Schulsozialarbeiter der Gesamtschule Gießen-Ost) Andrea Schmidt (stellvertretende Projektleitung GuD, MIT-Projektleitung)

Das Programm „Gemeinsam Klasse sein“ unterstützt Schulen und Eltern dabei, dass Kinder gerne zur Schule gehen und sich in ihrer Klasse wohlfühlen. In einer Projekt- woche, die optimalerweise zu Beginn der 5. Klasse durchgeführt werden sollte, beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit dem Thema Mobbing und Cybermobbing. Sie erforschen in Übungen, Rollenspielen und Gesprächen, wie sie positiv und konstruktiv miteinander umgehen können. In dem hier angebotenen Workshop soll das Programm etwas konkreter vorgestellt werden, in dem u.a. Lehrkräfte von der praktischen Umsetzung des Programms in ihrer Schule berichten. Darüber hinaus wollen wir verschiedene Übungen und Rollenspiele mit der Gruppe durchführen und in einen Austausch treten, was sich gut und weniger gut eignet um Cybermobbing zu verhindern.

10:30 – 10:45 Uhr: Kaffeepause

10:45 – 12:00 Uhr: Prävention durch das Peerprojekt „Digitale Helden“ Schülerinnen berichten über ihre Erfahrungen als Digitale Helden

Referentinnen: Schülerinnen berichten aus der praktischen Arbeit an der Schule
Stefan Podhorsky (Integrierte Gesamtschule Busecker Tal)
Florian Borns (Mitgründer & Gesellschaftsführung Digitale Helden gGmbH)

Im Peerprojekt Digitale Helden werden Schülerinnen der 8. Klassen im Mentoren- programm zu Expertinnen der digitalen Welt ausgebildet. Sie lernen Apps sicher zu konfigurieren, rechtliche Rahmen (AGBs, Datenschutzvereinbarungen und Straftatbestände) Schülerinnengerecht zu präsentieren, auf Gefahren im digitalen Raum hinzuweisen und mit Schülerinnen zur Prävention und Intervention zu interagieren.

Die ausgebildeten Mentorinnen bereiten Klassenbesuche vor, stellen sich den Fragen der jüngeren Schülerinnen auf Augenhöhe; Lehrerinnen bzw. Sozial- arbeiterinnen sind bewusst nicht dabei. Sie bieten Hilfe zum Beispiel beim
Erkennen und Verhindern von Cybermobbing, Stress im Klassenchat, Hate Speech, Umgang mit radikaler Beeinflussung. Sie geben Handlungsstrategien weiter und sind über Kanäle der digitalen Lebenswelt der Schüler*innen erreichbar. „Hört sofort auf!“ Manchmal ist es ein einziger Satz, der alles ändert. Der so schwerfällt und doch so wichtig ist, weil er Betroffenen zeigt, dass sie nicht alleine sind und weil er ein Anfang für weitere Sätze sein kann: „Ich mache da nicht mit.“ „Du hast keine Schuld.“ „Ich bin für dich da.“

12:00 – 13:00 Uhr: Mittagspause/Come Together

13:00 – 14:00 Uhr: Mobbing-Interventions-Teams in Hessen (MIT),
Qualifizierungsreihe des Projektes „Gewaltprävention und Demokratielernen
(GuD)“ des Hessischen Kultusministeriums, in Kooperation mit der
Schulpsychologie

Referentin:
Andrea Schmidt (stellvertretende Projektleitung GuD, MIT-Projektleitung)
Teaser: Mobbing-Interventions-Teams in der Schule (MIT)

Wie kann ich Mobbingprävention und –Intervention in meiner Schule noch besser vernetzen? Wie kann ich Mobbing und Cybermobbing noch schneller erkennen und stoppen, insbesondere auch in Zeiten der Pandemie, in der Mobbing mitunter auch außerhalb der Institution Schule geschieht? Welche Wege möchte ich künftig noch gehen, um Resilienz zu stärken und meine Schule als sicheren Ort bewahren, trotz all der Veränderungen, auf die wir uns nicht vorbereiten konnten und können?
Das MIT-Konzept steht für vernetzte Professionalität im Rahmen schulischer Prävention und Intervention. Dabei steht der Ausbau und die Stärkung der schuleigenen Beratungs- und Unterstützungsangebote zum Thema „Mobbing“ im Fokus, durch die Etablierung eines multiprofessionellen „Mobbing-Interventions-Teams“ und die Weiterbildung zu „systemischen Klassentrainer*innen“.

14:00 -14:15 Uhr: Kaffeepause

14:15 – 15:15 Uhr: Cybermobbing und Kindeswohlgefährdung (§ 8a)
Dick-Pics, Sexting, Cyber-Mobbing – und wann wird es gefährlich?

Referentin:
Alexandrina Donhauser (Wildwasser Gießen e.V.)

Online-Übergriffe können bei Kindern und Jugendlichen zu seelischen Gefährdungen führen. Ebenso können sie zur Einleitung und Durchführung von sexualisierter Gewalt im realen Leben dienen. Daher brauchen erwachsene Unterstützungspersonen sichere Vorgehensweisen, um Kinder und Jugendliche zu schützen. In diesem Workshop geht es um die Frage, ab wann es eigentlich eine Kindeswohlgefährdung ist und was Erwachsene dann zum Schutz der Kinder und Jugendlichen tun können. Wie kann Kooperation im Kinderschutz gelingen, wie funktioniert das Verfahren, welche Schutzmöglichkeiten gibt es?

15:15 – 15:30 Uhr: Kaffeepause

15:30 – 16:30 Uhr: Polizeiliche Intervention bei Cybermobbing
Referentin:
Antje Suppmann (Zentrale Jugendkoordinatorin des Polizeipräsidiums Mittelhessen)

Praktischer Umgang mit einem Mobbingfall. Gibt es einen „Mobbingparagraphen“ im deutschen Recht? Wann ist es sinnvoll eine Strafanzeige zu erstatten oder sind pädagogische Maßnahmen und Ordnungsmaßnahmen einer schulischen Einrichtung ausreichend? Die Teilnehmer sollen erkennen, dass jeder Mobbingfall individuell zu
betrachten ist und eine Checkliste keine wirkliche Verwendung finden kann. Es sollen auf der einen Seite Handlungsoptionen für die Teilnehmer aufgezeigt werden sowie die polizeiliche Vorgehensweise im Falle einer Strafverfolgung erläutert werden.

16:30 – 17:00 Uhr: Plenum – Reflexion, Feedback und Ausblick zur Fachtagung

In Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt für den Landkreis Gießen und dem Vogelsbergkreis, dem Projekt des Hessischen Kultusministeriums „Gewaltprävention und Demokratielernen (GuD)“, dem Mentorenprogramm „Digitale Helden“ an der Gesamtschule Busecker Tal, dem regionalen Medienzentrum Gießen-Vogelsberg (M@AUS), der Jugendkoordination des Polizeipräsidiums Mittelhessen, dem Netzwerk gegen Gewalt und Wildwasser Gießen e.V.